Radteam Tharandter Wald

FichKona 2016 - pack` die Badehose ein - Race Across East Germany (RAEG) zum Meer

fichkona2016 meer webFiKo minus 2 Tage - Anruf vom NDR 1 Radio MV, die Redaktion wollte Hintergrundinfos zu unserer Veranstaltung haben, denen ich mit dem Hinweis auf die Homepage und Facebook entsprach. Am Ende ist wohl nicht einmal eine Verkehrsmeldung gesendet worden?
Leider meldete sich unser vierter Mann - der Peter - ab, irgendetwas ist ihm auf den Magen-Darm geschlagen - was das wohl war? Schade auf jeden Fall, ein sicher geglaubter Windschatten blieb im Krankenlager zurück.

 

FiKo minus 1 Tag - in Dresden regnet es in Strömen und über Stunden, das Badetuch und Badelatschen konnten direkt vor Ort eingesetzt werden. Da hatte ich gleich noch eine Ausrede, dass ich für den Arbeitsweg das Auto nehmen durfte - dann bleiben wenigstens die Schuhe trocken. Im Büro erwartete mich im Laufe des Tages noch ein Marathonnösenpresentkorb, gefüllt mit Natrium (Salzbrezeln), Kohlehydrate (Banane), Zucker (Coca Cola) und Ballaststoffe als Gruß der Kolleginnen, die leiden (fiebern) ja nun auch schon immer mit.
Die Datenkrake von WhatsApp und FB schickte nette Grüße und Wünsche aus dem Reich der RTTW’ler (Radteam Tharandter Wald) und anderen sympathisierenden Vortriebsgemeinschaften.

 

FiKo Tag 0 - der 18.06.2016 - in der Nacht blieb das Wetter beständig - kein Regen, konnte ich stündlich beobachten, da die Aufregung vor dem Jahresevent die Ruhephase entsprechend beeinflusst hat. Den Wecker brauchte ich nicht - war eh wach. 6 Uhr wurde ich dann abgeholt, das Rad verladen und die ganzen Kleinigkeiten, was am Ende fast drei Taschen waren, plus Ersatzlaufräder für den Eventualfall. Die Anreise durch das sächsische Hinterland verlief ohne Probleme, die Euphorie stieg merklich, denn der Himmel war Azur-blau und die Windräder zeigten nach Süd-Westen - von dort kam die frische Brise, die uns ans Kap wedeln sollte.

 

Für die Rennvorbereitungen blieben dann noch gut 2 h auf dem Berg, die notwendig waren, um die Anmeldung und den Aufbau der Langstreckenmaschine zu bewerkstelligen. Das Einrichten der Unterwegs-Beutel war die Hauptaufgabe, alles schön in separate Tüten verstaut, damit es wenigstens eine themenbezogene Grundordnung gibt - zumindest am Anfang. Nachdem alle Sachen sortiert und wieder neu verpackt waren, spazierten wir zum Start und die Gedanken kreisten um den Beutelinhalt - ist wirklich alles dabei und finde ich dann den richtigen Beutel? Na ja, viel im Schrank ist nicht mehr gewesen - ich meine, es wäre alles mit auf der Reise. Während der Vorbereitungen kam es ebenso darauf an, immer wieder das WC zu besuchen - wer weiß, wann sich eine solche Möglichkeit wieder ergibt - drei Mal waren Pflicht.

 

Als sehr angenehmen Nebeneffekt, der die Aufregung etwas senkte, empfand ich das Erhaschen nach dem besten Hintergrund fürs obligatorische Fichtelberg-Startfoto.
Ich habe immer wieder bekannte Gesichter erkannt und auch meine beiden Vereinskollegen (Martin und Bernd) sehr herzlich begrüßt.
Dann erneut zum WC und der Predigt vom Klöckner gelauscht - welcher mit dem letzten Glockenschlag der Friedensglocke das Startsignal gab. Die Gruppen machten sich einzeln ab dem Fichtelberg auf den Weg und als Zweite waren auch schon wir dran. Ein kurzer Gruß noch in die Runde - und dann ab ans Meer!

 

Etwa ~70 Fahrer machten sich in meiner, der Gruppe2, auf den Weg, in unter 24 Stunden das Kap Arkona nach 615 km zu erreichen. Die Zeichen standen auf GO-Wind aus Süd-West und trocken - noch. Da dies hier kein Wetterbericht werden soll, wollte ich nur eines dazu sagen - bis Potsdam bei km 275 wurden wir vier Mal sehr kräftig eingeweicht - und dazwischen nutzen die ultramodernen Radklamotten die Zeit zum Trocknen - bei recht angenehmen Temperaturen um 22 °C.

 

Die letzten Regentropfen lagen noch auf den Potsdamer Straßen, als wir unter Polizeischutz mit Blaulicht durch die Brandenburgische Hauptstadt eskortiert wurden. Es ist schon beeindruckend, wieviel Adrenalin durch den Körper schießt, wenn man wie ein Profi durch die Stadt „gejagt“ wird. Viele Passanten schauen ganz ungläubig uns nach - kann ich mir nur vorstellen, gesehen habe ich es nicht, denn ich musste mich auf den Vordermann und die noch feuchten Straßenbahnschienen konzentrieren. Das mit den Schienen gelang leider unserem Bäcker nicht so gut und er konnte das Einfädeln nicht verhindern. Ein schwerer Sturz war unausweichlich. Das MRT diagnostizierte einen Beckenbruch - an dieser Stelle - beste und nachhaltige Genesung - Dein Kuchen war einfach wunderbar - sehr lecker, vielen Dank Thomas!

Danach kehrte wieder Ruhe ins Feld ein. Die Streckenführung hatte in diesem Jahr Rheinsberg und Lindow (bei Zippelsförde?) im Angebot. Hier war weniger auf der Straße los, als auf der B96, das war gut.

 

In unserer Gruppe ging es dann kontinuierlich und harmonisch mit ~31km/h durch die Nacht. Der fast volle Mond (Erdbeermond?) und die fast Sommersonnenwende ließen diese Dunkelfahrt recht kurz erscheinen. Bei der Leuchtmittelausstattung habe ich sicherlich noch Reserven, denn, was man im Feld sehen konnte, waren High-Tech-Lampen mit einem Beam, der beim Vordermann den Rücken erwärmen konnte, definitiv wäre man beim Zurückschauen für einem Moment erblindet - aber wir schauen nicht zurück. Die zusätzlichen Akkupacks waren allgegenwärtig und kompensierten die Gewichtseinsparungen von Carbonrahmen. Die Stille der Nacht wurde immer wieder durch Fans mit Rasseln unterbrochen. In Neubrandenburg bei km 440 gegen 2 Uhr versammelten sich sogar mind. 15 Leute mit Transparenten und einem FEUERWERK, welches uns Richtung Norden und aus dem physischen Nachttief pushte.

 

Dann wieder Einöde, Dunkelheit und der Superscheinwerfer vom Hintermann… Nach mehreren Anläufen schaffte ich es, meinen Freund Jenser beim Steigerlied „Glück Auf, Glück Auf“ gesangliche Unterstützung zu leisten. Der Sauerstoff für die Muskeln wurde dann zwar recht dünne, aber unser gemeinsames Lied kam doch gut an - wir blieben wenigsten wach! Nachdem das Erz und Gold abgebaut waren, wurde es zum Sonnenaufgang noch ein wenig kälter - ich fuhr bereits mit Winterhandschuhen und das war gut so.
Ein Sonnenaufgang so gegen halb fünf mitten in Mecklenburg hat auch etwas romantisches: Die Sonne steigt hinter den Wiesen empor, der Frühnebel zeichnet sich deutlich ab, die Vögel beginnen wieder zu zwitschern, der Tag beginnt zu erwachen, das Surren der Ultegra’s und Campa‘s ist allgegenwärtig, die Temperatur singt weiter, der Vordermann blendet mich mit seinem Lupinerücklicht (Entfernungssensor?) und mein linkes Knie reagiert auf die zu spät angezogene lange Hose - es friert und muckert.

 

Eine kurze Rast noch in Grimmen, es war bereits hell und das Frühstück in Stralsund unter der Hochbrücke war nicht mehr weit. Kurz vor sechs „saßen“ wir beim Frühstück – irgendwie auch nicht anders als in der Woche, nur dass gerade 550 km in den Beinen, Armen, Nacken und im Sitzbereich waren - und stärken uns für die letzte Etappe - RÜGEN.

 

Dieses letzte Stückchen lässt sich nur mit viel Humor und Siegeswillen ertragen. Hier gilt es noch einmal ~12 % der Gesamtstrecke und ~15 % der Gesamthöhenmeter zu bewältigen, nicht zu vergessen unser Lieblingsstraßenbelag in Sagard - 1,4 km Kopfsteinpflaster - danach waren dann auch die letzten Ritter der Landstraße wieder munter. Nach einstimmiger Entscheidung bei der letzten Notdurftpause in Bobbin entschloss sich die Gr2 der FichKona 2016 gemeinsam ins Ziel zu rollen. Genau das macht eben auch eine geschlossene Mannschaftsleistung aus.

 

Die ersten Frühaufsteher hielten die beiden Fußwegbereiche in Puttgarden für uns frei, so dass diese groben und auch schön anzusehenden Pflastersteine uns erspart blieben. Danke für das Verständnis, liebe Urlauber.
Den Leuchtturm in Sichtweite - da sammelte sich das Radteam Tharandter Wald zum Finish. Gemeinsam kullerten wir drei ins Ziel und die Freude über eine unfallfreie und trotz der Strapazen glückliche Ankunft war überwältigend. Shake Hands in alle Richtungen und strahlende Gesichter - nicht mehr die müden, abgekämpften von 3 Uhr nachts. Ein oder zwei Zielbiere in Kombination mit Kartoffelsalat und Bratwurst waren schnell zur Hand und die Regeneration konnte beginnen.
In der Sonne sitzend, den Leuchtturm vor der Nase, genossen wir die FiKo 2016 im Rückblick. Viele Geschichten wurden erzählt, es wurde gesungen - ab der zweiten Strophe weiß ich schon wieder nicht mehr weiter, es wurde geflickt und es wurden Witze erzählt.
Die RTTW’ler machten sich dann noch auf nach Vitt, einem alten Fischerhafen kurz vor dem Kap. Dort arrangierten wir noch ein paar Zielfotos im Ziel-Ambiente, alles war dabei, das Kap, ein Boot, der Strand, die Räder, die RTTW’ler und kaum noch Erschöpfung - dass sollte sich bald ändern…
Unser ganz spezieller Dank gilt der Begleitcrew der Gr2, den Capitanos, der Küchencrew und der Disziplin in unserer Gruppe. All dies ermöglichte uns eine stress- und unfallfreie Anreise zum Meer.
Alles Gute den Mitreisenden - vor allem Thomas - dem Bäcker -, Jenser, Matthias und Jan.

 

Sport Frei und Kette so mittig… Euer BergZwerg-jc (FiKo2016 Nr. 58)

 

technische Daten:
- Aufzeichnungen mit Edge 1000 und TeckNet® Powerbank 9000mAH (noch >60% Energie am Ziel)
- Ankunftszeit Gr.2: 8:40Uhr
- Distanz: 631km (inkl. Fahrt zum Zeltplatz)
- Durchschnittgeschwindigkeit: 31km/h
- Durchschnittstemperatur: 14°C, tagsüber > 22°C und die Nacht hielt 7,5°C bereit
- Kalorienverbrauch: > 8500 kcal
- Ernährung: Bananen, belegte Brote, geschnittene Äpfel, Schokolade, Haferschleim mit Heidelbeeren, Kartoffelsuppe mit Würstchen, Kuchen - jede Menge Unger-Kuchen
- Getränke: Wasser, Iso, Kaffee


Kurioses:
- Grandiose Fan Meile an einem „Anstiegchen“ nach Chemnitz- alle Winkelemente für Alpe d'Huez wurden schon mal aufgebaut und probe gewunken
- Nachts um 2 Uhr - Feuerwerk in Neubrandenburg mit ca. 15 FiKo Fans
- Zwei Rehe sprangen durch die Gruppe 3 - ich hoffe, es gab keine größeren Verletzungen/Schäden
- Plattfuß am Hinterrad – 300 m vor dem Ziel - die letzten Meter geschoben (Gr1)
Diese Zusammenfassung beruht auf eigenen Erlebnissen und Wahrnehmungen. Für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernehme ich keine Garantie, zumal ich auch mal müde war und sicherlich etwas verpasst habe oder bei dem Fahrtwind nicht alles richtig verstanden habe.

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