Radteam Tharandter Wald

„Fichkona 2015“ der Wahnsinns-Ritt zum Meer

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Weil in diesem Jahr leider unsere Long Tour, Wetter bedingt, ins Wasser fiel, mussten neue Ziele gefunden werden. Das naheliegende war natürlich einmal die „Fichkona“ zu fahren. Das Besondere an dieser Tour ist die „Nachtfahrt“, was mich bis jetzt immer abhielt, daran teilzunehmen. Einfach einmal versuchen, dachte ich.
Mit Peter aus unserem Team, der letztes Jahr schon dabei war, und mit Bernd, der überaus gut drauf ist, hatte ich gute Mitstreiter.
Wir trafen uns am Freitag, den 26.06.2015, in Oberwiesenthal, um noch eine Nacht im Hotel zu verbringen. So konnten wir am nächsten Morgen pünktlich 10 Uhr ausgeruht die „24-Stunden bis ans Meer“ in Angriff zu nehmen.
Es war schon ein erhebendes Gefühl mit 190 Fahren am Start zu stehen, und dazu noch das Geläut der großen Fichtelbergglocke zu hören. Danach wurde gestartet…...


Das erste große Ziel war erst einmal Chemnitz- hoffentlich bis dahin ohne Regen. Dieser Abschnitt beinhaltet aber auch einige Berge und das Fahrerfeld wurde weit auseinander-gezogen. Vor Chemnitz mussten sich die Fahrer erst einmal wieder sammeln. Um ein Verkehrschaos zu verhindern, fuhren wir gemeinsam durch die Stadt. Übermotiviert und von den Zuschauern angefeuert, fuhren die Jungs mit 38 km /h durch Chemnitz. Ich dachte, wenn das so weitergeht, wirst du das Kap nie erreichen. Gott sei Dank, kam nach 104 Kilometern der erste Verpflegungspunkt. Dort wurden die Fahrer in die Gruppen 1 bis 4, je nach Leistungsfähigkeit, eingeteilt. Peter, Bernd und ich, gingen in die Gruppe 3, wo ein Schnitt von 29 bis 31 km/h vorausgesetzt wurde.

Durch die Berg- und Talfahrten in Richtung Grimma wurde die Gruppe immer wieder auseinander gerissen; aber so langsam spielten wir uns aufeinander ein.
Ab Wurzen lief es dann. Wir hatten die Gruppe 2 am Verpflegungspunkt 2 nach 197 km (Wittenberg-Lutherstadt) eingeholt. Dort kamen noch einige Fahrer aus der Gruppe 2 frustriert in unserer Gruppe 3. Die Jungs vom „Tuja Team Vogtland“ brachten sich wunderbar bei uns ein. Wir fuhren nun über die Elbe, und schon schoben sich dunkle Wolken über unseren Köpfen zusammen. Dann ging ein 10-minütiger starker Schauer hernieder. Bei Temperaturen über 20 Grad Celsius war es nicht so schlimm.
So näherten wir uns langsam Potsdam. Peter und Bernd übernahmen immer wieder Führungsarbeit. Ich hielt mich da ein bisschen zurück, es waren ja noch 350 km zu fahren.
In Potsdam empfing uns dann wieder die Gruppe 2 und auch die Polizei, die uns durch die Stadt begleiten sollte.
Nach der Rast ging es mit Polizeieskorte durch die Stadt Potsdam. Jede Kreuzung war für uns frei. Wir fühlten uns, wie bei einer Profitour- super!
Gegen 22.30 Uhr hielten wir an, um unser Licht an die Räder zu montieren. Jetzt kamen nun, die von mir befürchteten Stunden durch die Nacht. Aber man gewöhnte sich schnell an die Dunkelheit und jeder hatte ordentliches Licht am Rad. Mit Bernd fuhr ich Seite an Seite. Um wach zu bleiben, unterhielten wir uns stundenlang. Es war nun stockdunkel und ganz schön gefährlich, wenn wir Ortschaften durchquerten. Unser Team hielt sich immer im ersten Drittel des Feldes auf. Peter fuhr stets an der Spitze.
Da zwischenzeitlich leichter Regen einsetzte, wurde es noch dazu feucht und ungemütlich. Wir hatten noch ca. 200 km zu bewältigen. Langsam kam die Morgendämmerung und es wurde bitterkalt. Uff, nur noch 12 Grad! Der Wind drehte auf NW, und bei zunehmendem Regen überkam uns langsam die gefürchtete Müdigkeit.
Um den Puls wieder zu aktivieren und warm zu werden, versuchten wir vorne in der Gruppe Tempo zu machen. Dann kam das Schild: „77 km Stralsund“. Ich rechnete, mit guten 2,5 Stunden bis Stralsund. Was ich aber nicht bedacht hatte, war eine Umleitung. Nach gefühlten 2 Stunden kam ein Schild: „54 km Stralsund“ und an dieser Stelle dachte ich, Stralsund muss doch ein Vorort von Malmö sein.
Endlich sahen wir die Hafenanlage und den Rügendamm vor uns. Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen, nun waren es nur noch 72 km bis zum Kap.
Nach einer kurzen Rast ging es weiter.
Übermotiviert, gingen bei einigen „die Pferde“ durch. Doch nach fast 23 gemeinsam durchlittenen Stunden, beschlossen wir alle zusammen anzukommen. Wir näherten uns dem Kap mit seinem Leuchtturm. Oben standen unsere Crew und viele Fahrer aus den schnelleren Gruppen, um uns nochmal kräftig anzufeuern.
Nach 621 Kilometern, in 25 Stunden und 45 Minuten, lagen wir uns in den Armen. Wenn man so einen langen Zeitraum zusammen fährt, entstehen echte Rad-Freundschaften.
Wir feierten unseren großen Erfolg noch bis spät in die Nacht. Ich war dann ca. 40 Stunden auf den Beinen und konnte es nicht begreifen, dass ich diese Belastungen so gut überstanden hatte.
Nochmals vielen Dank an Olaf Schau und seinem Team für die super organisierte Tour.


Frank Kempe
auch im Namen von Bernd Militzer und Peter Wolf als weitere Teilnehmer der „Fichkoma 2015“ ;-) vom Radteam Tharandter Wald

 

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